Nach einer nicht wirklich erholsamen Nacht im Nachtzug kommen wir am frühen Morgen in Da Nang an. Von hier aus bringt uns ein Bus zur kleinen Stadt Hoi An. Unser Hotel liegt etwas außerhalb, was aber überhaupt nicht schlimm ist, da wir alle nach täglichen Bus und Zugfahrten froh sind, uns die Beine etwas vertreten zu können.

Um in die Altstadt zu gelangen muss man Eintritt zahlen und erhält einen Besucher Pass, welchen man stets bei sich tragen sollte. Die kleine Eintrittsgebühr finde ich total berechtigt, denn sie dient dazu die Stadt sauber und gepflegt zu halten und dies ist sie wirklich!
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Da wir schon so früh da sind, sind die Straßen noch leer. Es herrscht eine entspannte Stimmung. Die Straßen sind geschmückt mit hunderten Laternen und die einzigen Verkehrsmittel sind Fahrrad und Motorroller. Wir schlendern entspannt durch die kleinen Gassen, entlang der meist gelb gestrichenen Häuser, bis hin zum Fluss. Hier frühstücken wir in einem kleinen Restaurant und genießen die kühle Morgenluft mit einem heißen vietnamesischen Kaffee in der Hand.

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Nach dem Frühstück lassen wir es zunächst entspannt angehen. Wir laufen durch die friedlichen Gassen der Hafenstadt, entlang an unzähligen Schneidern, Souvenierläden, bis hin zum Markt. Dieser ist der Schmelztiegel der kleinen Stadt. Hier ist es nicht mehr so still. Es treffen sich Händler, Restaurantbesitzer, Touristen und Einheimische. Für jeden ist etwas dabei und für jeden gibt es den besten Preis. Ich kann nicht widerstehen und kaufe ein paar Armbänder als Mitbringsel für meine Freunde zu Hause.

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Dann zieht es uns in einer der zahlreichen Schneidereien. Die Stadt ist bekannt für die gute Qualität der Maßanfertigungen. Steht eine Hochzeit an, kann man sich hier nur in wenigen Tagen das rote Kleid der neuen Valentino Kollektion zaubern lassen, in bester Qualität, perfekte Passform und zu einem Bruchteil des Preises. Dem Mann gefallen Dior Anzüge aber die Knöpfe und die Farbe des Innenfutters treffen nicht den Geschmack? Alles kann man von den äußerst professionellen und gut ausgebildeten Schneidern individuell gestalten und anpassen lassen.

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Gepackt vom Shoppingfieber zieht es uns von einer Boutique in die nächste. Lederschuhe, Taschen, hippe Streetstyles und schicke Abendmode, alles was das Shopper-Herz begehrt findet sich in den Gassen der einstigen Handelsstadt, fern ab von Großstadthektik und alles zu fairen Preisen. Das Gefühl etwas gutes getan zu haben kauft man sich gleich mit, da die meisten Sachen nicht aus China oder Korea importiert sind, sondern in der Region selbst hergestellt werden.

Unser Mittagessen bereiten wir uns heute selbst zu. In der Oodles of Noodles Koschschule lernen wir den Unterschied zwischen den verschiedenen Reisnudel Sorten und bereiten diese dann auch selbst zu. Über einen großen Topf mit kochendem Wasser ist ein dünnes Leinentuch gespannt. Hierauf breitet man den flüssigen Nudelteig aus und lässt ihn im Wasserdampf garen. Jede Nudelart hat eine spezielle Dicke und Technik, wie man den Teig ausbreitet, wie lange er gart oder wie man ihn später zuschneidet. Zu jeder Sorte, die wir mehr oder weniger erfolgreich zubereitet haben, werden uns verschiedene, passende Gerichte serviert. Die Kochschule gehört zu einem Projekt welches minderbemittelten Jugendlichen eine Ausbildung in der Gastronomiebranche ermöglicht. Dies sichert ihnen dann später einen Arbeitsplatz in einem der vielen Hotels oder Restaurants der Oberklasse in ganz Vietnam. Da der Kochkurs deswegen von recht jungen Leuten geleitet wurde, war die Stimmung entsprechend ausgelassen und man konnte viel voneinander lernen.

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Am Nachmittag machen wir eine Fahrradtour durch die Umgebung der Stadt. Nach nur kurzer Zeit befinden wir uns schon inmitten von Reisfeldern. Wir beobachten die Arbeiter wie sie barfuß im Schlamm der Felder stehen und diese bearbeiten. Wir halten en einem kleinen Bauernhaus und es begrüßt uns ein altes Ehepaar. Beide sehen für mich aus wie weit über 100, wie uns erzählt wird sind sie aber erst in ihren frühen Siebzigern. Der Mann zeigt uns wie sie ihren kleinen Garten bewirtschaften und lässt uns an den frischen Gewürzen riechen, alles unter den vorsorglichen und liebevollen Blicken seiner Frau. Die beiden sehen echt süß aus, wie sie in ihrem kleinen Haus mitten im Nirgendwo leben, umgeben von Reisfeldern und fernab von jeglichem Trubel oder Hektik. Sie sehen vor allem so glücklich und zufrieden aus, obwohl sie nicht viel besitzen und, wie sich an ihren faltigen Gesichtern ablesen lässt, kein einfaches Leben gehabt haben.

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Unsere Tour geht weiter an einem Fluss entlang bis zu einem kleinen Hafen. Neben Fischerbooten liegen hier kleine runde Holzboote. Sie sehen aus wie große Nussschalen. Jeweils zu dritt werden wir in ihnen von Einheimischen über den Fluss gefahren. Unser Fahrer bastelt mir und meinen 2 Mitfahrerinnen Kronen und Ringe aus Schilf. Kurzerhand beschließt er dass er uns jetzt alle drei geheiratet hat und wir seine Prinzessinnen sind. Die lustige Fahrt endet mit einem kleinen Snack, den uns die Mutter einer Fischerfamilie zubereitet hat.

Als wir zurück in die Stadt kommen fängt es schon an dunkel zu werden. Wir sind überwältigt. Am Vormittag sahen wir schon, dass die Straßen alle mir Laternen geschmückt sind. Aber wie schön diese die Stadt im Dunkeln zum erleuchten bringen hätten wir uns nicht gedacht.

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Den Abend lassen wir in einer der zahlreichen Cocktailbars ausklingen. Mein Gin-Sour ist dank des frisch gepressten Limettensaftes einer der besten, die ich je getrunken habe. Es spielt eine französische Band und auch wenn die meisten die Texte nicht verstehen ist die Stimmung ausgelassen.