Es ist Winter, und es ist kalt. Ich sitze alleine in meiner Wohnung in Köln und versuche mich auf die bevorstehende Klausurphase zu konzentrieren. Die Stimmung ist im Keller und es muss etwas her, worauf ich mich freuen kann. Der alljährliche Skiurlaub mit meinen Eltern würde diesmal nicht reichen. Ich brauche ein Abenteuer! Etwas Neues sehen, eine andere Kultur entdecken, anderes Essen, andere Leute und ich brauche Sonne! Beim Durchstöbern verschiedener Reiseangebote fällt die Entscheidung schnell auf Südostasien. Ich buche eine Gruppenreise durch Thailand, Kambodscha, Vietnam und Laos. 30 Tage, 4 Länder, 1 Backpack.

Noch bevor sich meine Eltern mit meiner spontanen Entscheidung anfreunden können und mir nur die Zeit blieb mich über Facebook von Freunden und Bekannten zu verabschiede, sitze ich bereits im Flugzeug nach Bangkok. Erst jetzt wird mir bewusst wie unüberlegt meine Entscheidung eigentlich ist. Ich weiß nichts über die Länder, die ich bereisen werde, habe mir keinen Reiseführer zugelegt und habe überhaupt keine Ahnung was mich erwarten wird.

In Bangkok im Hotel angekommen begebe ich mich zunächst alleine auf Erkundungstour. Nicht weit entfernt liegt Chinatown. Ich befinde mich schnell in einer Straße, die mich stark an Bilder aus Hongkong erinnert. Leuchtreklamen, wo das Auge nur hinreicht, einige Tempel und in den Nebenstraßen unzählige Stände mit frischem Obst, Gemüse, Modeschmuck und Fake Markenprodukte. Mit Händen und Füßen bestelle ich mir einen frisch gepressten Granatapfelsaft. Erst jetzt wird mir bewusst, wie weit ich eigentlich von zu Hause weg bin und dass es jetzt kein Zurück mehr gibt.

 

Am Abend treffe ich dann meine Reisegruppe. Sehr nette, junge und offene Leute aus der ganzen Welt. Unser Guide kommt aus Kambodscha und hat einige Jahre in London gelebt, weswegen sein Englisch (im Gegensatz zum Taxifahrer und Rezeptionisten) echt gut ist. Nach nur wenigen Stunden zum Ausruhen geht das Abenteuer auch schon los. Unser Guide führt uns zu einem seiner Lieblingsrestaurants und wir lernen wie man sich hier begrüßt: (ausgesprochen) Sawatdii Kah als Frau und Sawatdii Karp als Mann, dabei werden die Hände vor der Brust zusammen gehalten und sich leicht verbeugt. Dann geht es ans Essen. Jedoch bin ich bei der Auswahl etwas überfordert, bis uns unser Guide empfiehlt das typische Pad Thai zu bestellen. Es kommt ein Teller Reisbandnudeln mit verquirlten Eiern und zerriebene Erdnüsse, dazu verschiedenes Gemüse und eine einzigartige Kräutermischung. Obwohl es recht unspektakulär aussieht, schmeckt köstlich.

Nach dem Essen geht es dann weiter auf die berühmt berüchtigte Kao San Road. Hier treffen sich Backpacker und Partywütige in den zahlreichen Bars und Clubs. Für jeden Geschmack ist hier etwas dabei. Von stilvollen Cocktailbars, über Karaoke Läden bis hin zu Ständen die einem Gin Tonic im Eimer verkaufen. Als Snack kann man sich hier beim Straßenhändler frittierte Skorpione hohlen (wozu ich dann doch noch nicht mutig genug war).

Insekten Imbiss auf der Khao San Road

Insekten Imbiss auf der Khao San Road

In Acht nehmen sollt man sich nur von den zahlreichen Promotern die einen in eine “Ping Pong Bar” dirigieren möchten oder einem eine “unforgettable night” versprechen, denn unvergesslich werden die Bilder die man hier im Kopf behält wirklich sein. Für all diejenigen die nicht wissen, worum es sich hier handelt, fragt Google (oder lasst es lieber sein 😉 ). Wenn man den Abend dann doch etwas luxuriöser ausklingen lassen möchte, gibt es in Bangkok täglich zahlreiche Rooftop Parties, welche trotz meist überteuerten Eintritts- und Getränke-Preisen mit einem unbezahlbaren Ausblick über die Stadt Gäste anlocken.

Bangkok bei Nacht

Bangkok bei Nacht

Übermüdet von einer langen Anreise und einer genauso langen Nacht bin ich froh im Bett zu liegen und Kraft für die Weiterreise zu tanken.